Warum es in einer Berghütte nicht nach Brot roch
In vielen Regionen Polens war der Duft von frisch gebackenem Brot das Herzstück des Hauses. Im Podhale war das anders, und zwar nicht aus Faulheit, sondern aus der Not heraus.
Roggen und Weizen gegen das Bergklima
Echtes Brot backt man aus Roggen oder Weizen. Nur vertragen diese beiden Getreidesorten das Klima in Podhale nur schlecht: einen kurzen, kühlen Sommer und kargen, steinigen Boden. Das Getreide, das in den Bergen wirklich gut wuchs, war Hafer. Infolgedessen verfügte ein Bergbauernhof selten über eigenes Roggenmehl zum Backen eines Laibs.
Ein Haferfladen statt eines Brotlaibs
Anstelle von duftendem, gut aufgegangenem Brot herrschten auf dem Tisch der Bergbewohner die „Moskole-Kartoffelfladen“, also flache, auf einem Backblech gebackene Fladen. Sie erfüllten im Alltag die Funktion des Brotes. Ein klassischer, gesäuerter Laib war daher in den Dörfern unterhalb der Tatra etwas Besonderes und kein Alltägliches.
Nowy Targ, die Stadt als Marktplatz
Da es in den Bergen an Brot und Roggenmehl mangelte, musste man diese dort beschaffen, wo die Handelswege zusammenliefen. Dieser Ort war Nowy Targ, dessen Name schon alles sagt: „Nowy Targ“, der neue Handelsplatz.
Marktprivilegien seit Kasimir dem Großen
Die wirtschaftliche Bedeutung der Stadt reicht bis ins Mittelalter zurück. König Kasimir der Große befreite die Bürger von Nowy Targ von den Krakauer Zöllen und gestattete ihnen, am Tag der Heiligen Katharina, dem 25. November, einen acht Tage dauernden Jahresmarkt zu veranstalten. Dies legte den Grundstein für die Stellung der Stadt als Handelszentrum in Podhale.
Der Donnerstagsmarkt seit 1487
Der größte Aufschwung erfolgte im Jahr 1487. König Kasimir Jagiellon bestätigte die Stadtrechte, verlieh ihr das Magdeburger Recht, führte einen zweiten Jahrmarkt am Tag des Heiligen Jakobus, dem 25. Juli, ein und gewährte das Privileg, donnerstags einen Markt abzuhalten.
Ein Privileg, das über 500 Jahre überdauert hat
Das Bemerkenswerteste daran ist, dass der Donnerstagsmarkt in Nowy Targ bis heute ununterbrochen stattfindet. Er ist ein lebendiges Zeugnis eines Privilegs, das mehr als fünf Jahrhunderte zurückreicht. Im Jahr 1533 wurde die Stellung der Stadt durch ein weiteres Privileg gestärkt, wonach fremde Kaufleute Nowy Targ nicht umgehen durften.
Brot, Mehl und Salz, das waren die Dinge, wegen denen man wirklich zum Markt fuhr
Ein Ausflug zum Markt in Nowy Targ war keine Laune, sondern diente der Beschaffung von Gütern, die die Berge nicht hergaben.
Getreide aus tiefer gelegenen Gegenden
Auf dem Markt konnte man das kaufen, was auf einem hochgelegenen Bergbauernhof fehlte: Roggen und Roggenmehl aus wärmeren, tiefer gelegenen Gegenden sowie Salz und andere lebensnotwendige Güter. Hier konnte die auf Hafer basierende Ernährung durch echtes Brot ergänzt werden. Die Redensart, dass man nach Nowy Targ fuhr, um Brot zu holen, spiegelt somit die tatsächliche wirtschaftliche Abhängigkeit der Bergbewohner von der Stadt am Zusammenfluss von Weißem und Schwarzem Dunajec wider.
Brot als Rarität und Symbol
Da Brot schwer zu bekommen war, wurde es umso mehr geschätzt.
Jede Scheibe wurde geschätzt
In der Volkskultur war Brot mehr als nur Nahrung. Es war ein Symbol für Wohlstand, Gastfreundschaft und Segen.
Brot für festliche Anlässe
Wo man im Alltag Haferfladen aß, wurde ein Laib echtes Brot zu einem Bestandteil des Festtisches und wichtiger Momente. Seine Anwesenheit signalisierte, dass der Tag etwas Besonderes war.
Bis heute in der Küche präsent
Die Erinnerung an diesen früheren Wert des Brotes hat sich in der regionalen Esskultur erhalten, in der die Achtung vor dem Essen nach wie vor stark präsent ist.
